Die Mutter

Ich bestelle mir nun doch einen weiteren doppelten Bourbon, mit dem Gedanken, dass ich ihn vielleicht gar nicht trinken werde. Als ich mich zurücklehne, fällt ihre Tasche vom Barhocker und entblößt ihr Wesen vor mir. Als ich mich bücke um zu helfen, den Inhalt wieder einzuräumen, sticht mir ein Bild von einem Kind ins Auge. Es hat die gleichen, beeindruckend grünen Augen, wie die Frau vor mir. Mein Gewissen redet mir ein, dass ich nicht nachfragen sollte. Aber ich überwinde meine Zurückhaltung und frage, wer das Kind auf diesem Bild ist. Die Frau schaut mich an und zögert. Doch dann antwortet sie, dass es ihre Tochter ist, die sie schon in jungen Jahren auf die Welt gebracht hat. Trotz ihrer unendlichen Liebe zu ihr, hat sie nicht die Möglichkeit, sich um sie zu kümmern. Ich bin verdutzt. Niemals hätte ich erwartet, dass sie eine Tochter hat, noch dass sie in der Lage wäre diese wegzugeben. Von nun an sehe ich die Frau mit ganz anderen Augen. Hätte ich sie nur nicht gefragt. Sie wirkt plötzlich nicht mehr so interessant. Ich frage mich woran das liegt. Sie ist doch noch die gleiche Person wie vorher. 

Ich nehme einen großen Schluck aus meinem Glas und stelle es mit einem leichten Seufzer auf dem Tresen ab. Dann lege ich das Geld für die Drinks auf die Theke, nehme meinen Mantel, verabschiede mich und verlasse ernüchtert die Bar.