Die verführerische Genießerin

Sie erzählt mir, dass sie schon früh von zu Hause abgehauen ist und sich seitdem alleine durch das Leben schlägt. Irgendwie hat sie es immer geschafft, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Da sie keine Wohnung besitzt, darf sie mietfrei über dem Saal des Burlesque-Theaters schlafen. Daraufhin nimmt sie mein Whiskey-Glas und kippt den doppelten Bourbon in einem Zug weg. Ziemlich mutig, ohne zu Fragen. Und dass, obwohl wir uns überhaupt nicht kennen. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich jemals eine Frau habe Whiskey trinken sehen. Der Unterschied zwischen einem kurzen Shot beim Feiern und einem ungekühlten Whiskey, bei dem man jeden Schluck verführerisch genießt, scheint ihr überhaupt nicht klar zu sein. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich das bewundernswert oder abstoßend finde. Vielleicht ist ein guter Whiskey ja auch der pure Genuss für sie und sie konnte der Verführung nicht widerstehen. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass ich so viel über sie weiß, steht es mir doch eigentlich gar nicht zu, mir ein Urteil über sie zu bilden. Ich entscheide mich dafür, es gut zu finden und muss schmunzeln. Es sei ihr gegönnt. Sie hat bestimmt einen harten Abend hinter sich. Ich sehe doch, dass ihre Füße vor Schmerz schreien würden, wenn sie könnten. Und trotzdem scheint sie irgendwie zu lächeln. Entweder ist sie eine gute Schauspielerin oder sie ist so abgehärtet, dass der doppelte Whiskey wirklich nicht in ihrer Lunge brennt. 


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