Kleiner roter Koffer

Sie erzählte mir, dass sie seit Jahren aus einem kleinen, roten Koffer lebt und eigentlich nie auspackt. Aber ich traue mich nicht, weiter nachzufragen. Daraufhin nahm sie mein Whiskey-Glas und kippte den doppelten Bourbon in einem Zug weg. Ziemlich mutig, ohne zu Fragen. Und dass, obwohl wir uns überhaupt nicht kennen. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich jemals eine Frau Whiskey trinken gesehen habe. Den Unterschied zwischen einem kurzen Shot beim Feiern und einem ungekühlten Whiskey, bei dem man jeden Schluck verführerisch genießt, scheint ihr überhaupt nicht klar zu sein. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich das bewundernswert oder abstoßend finde. Vielleicht ist ein guter Whiskey für sie ja auch der pure Genuss und sie konnte der Verführung nicht widerstehen. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass ich so viel über sie weiß, steht es mir doch eigentlich gar nicht zu, mir ein Urteil über sie zu bilden. Ich entscheide mich dafür, es gut zu finden und muss schmunzeln. Es sei ihr gegönnt. Sie hat bestimmt einen harten Abend hinter sich. Ich sehe doch, dass ihre Füße vor Schmerz schreien würden, wenn sie könnten. Und trotzdem scheint sie irgendwie zu lächeln. Entweder ist sie eine gute Schauspielerin oder sie ist so abgehärtet, dass der doppelte Whiskey wirklich nicht in ihrer Lunge brennt.


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Geheimnisvoll

Wie gern würde ich dieses wunderschöne Mädchen an die Hand nehmen und mit ihr eine Runde tanzen. Leider kann ich keinen einzigen Schritt und würde mich nur blamieren. Sie hinterlässt auf dem Whiskey-Glas eine Schicht von ihrem roten Lippenstift und grinst mich an. Sie greift sich meine Pfeife. Es scheint ihr wirklich egal zu sein, was andere von ihr denken. Schon wieder komme ich ins Grübeln, ob sie das attraktiv macht oder eher nicht. Aber nein, sie raucht nicht wirklich, sondern spielt nur damit herum. Eigentlich möchte ich mir gern einen weiteren Bourbon bestellen, da sie meinen ja bereits für mich gelehrt hat, aber ich kann mich kaum konzentrieren. Sie lenkt mich viel zu sehr ab. Einerseits möchte ich alles über sie erfahren. Aber andererseits genieße ich es, ihre Schönheit einfach nur zu betrachten. Meine Arbeitswoche war so katastrophal und eigentlich wollte ich mich heute nur etwas ablenken. Und plötzlich betritt sie diese Bar. Völlig overdressed für diesen rauchigen Raum lässt sich diese Schönheit neben mir auf einen Barhocker fallen und wirft mir einen Blick von der Seite zu, der mir eine Gänsehaut verpasst. Anhand ihres Outfits bin ich mir sicher, dass sie in dem Burlesque-Club auf der anderen Straßenseite als Tänzerin arbeitet. Warum sie sich nach der Arbeit wohl nicht umgezogen hat? Scheint wohl auch für sie kein guter Arbeitstag gewesen zu sein. Warum sonst sollte sie sich so überstürzt in diesem Outfit hier rein verirren? Eine rauchige Bar, in der die Leute ihren Whiskey zu einer Zigarre schlürfen und dem Gitarrenspieler auf der kleinen Bühne zuschauen. Das scheint eigentlich gar nicht ihr Stil zu sein. Tja vielleicht hat sie genau diese Art von Abwechslung heute Abend gebraucht. Irgendwie macht es mich traurig, zu wissen, dass diese schöne Frau wahrscheinlich nie einen anständigen Beruf gelernt und stattdessen dort drüben gelandet ist. Wahrscheinlich Geldnot und ein schlechtes soziales Umfeld. Hätte ich sie woanders getroffen, wäre ich wahrscheinlich achtlos an ihr vorbeigegangen. Aber die Tatsache, dass diese Frau nicht hier sein sollte und trotzdem vor mir sitzt, als wäre sie hier genau richtig, macht mich unglaublich neugierig.


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„Couture Slim“

Sie kramt in der Tasche ihrer viel zu großen Jacke und holt eine Packung Kippen raus. Slim-Zigaretten. Natürlich. Was auch sonst. Sie nimmt sich eine und lässt die Packung auf den Tresen fallen. Ich schaue mir die blumige Verpackung mit der Aufschrift „Couture Slim“ an. Scheint ihr wohl das Gefühl zu geben, dass sie dadurch eleganter wirkt. Irgendwie niedlich, wie sie die Wahrheit versucht zu überspielen. Sie raucht ihre Zigarette so verführerisch, dass ich mir nicht sicher bin, ob sie eine Show für mich abzieht oder sich gar nicht bewusst ist, was für eine Ausstrahlung sie hat. Ich schätze mal, dass sie vom Sternzeichen her Wassermann ist. Ein schwer erreichbares Wesen, dass auf einer mystischen Wolke über dem Erdboden schwebt und in ihrem ganz eigenen Universum vor sich hin lebt. Eine geheimnisvolle Fassade. Und trotzdem hat sie es geschafft, in ein paar Sekunden all meine Vorurteile zu durchbrechen.

Ich versuche mich auf den Gitarrenspieler auf der Bühne zu konzentrieren, damit sie nicht denkt, ich bin verrückt. Was ich wohl für ein Bild für sie abgebe? Vielleicht stimmen meine Theorien über sie ja auch überhaupt nicht und ich sollte aufhören, mir ein komplettes Bild von ihr zu machen, ohne auch nur eine einzige Sache zu wissen. Irgendwie habe ich auch Angst, die Wahrheit von ihr zu erfahren, denn eigentlich gefällt mir das Bild von ihr, so wie ich es mir vorstelle.

Ob ich mich wohl glücklich schätzen kann, sie heute Abend hier getroffen zu haben?

Die Mutter

Ich bestelle mir nun doch einen weiteren doppelten Bourbon, mit dem Gedanken, dass ich ihn vielleicht gar nicht trinken werde. Als ich mich zurücklehne, fällt ihre Tasche vom Barhocker und entblößt ihr Wesen vor mir. Als ich mich bücke um zu helfen, den Inhalt wieder einzuräumen, sticht mir ein Bild von einem Kind ins Auge. Es hat die gleichen, beeindruckend grünen Augen, wie die Frau vor mir. Mein Gewissen redet mir ein, dass ich nicht nachfragen sollte. Aber ich überwinde meine Zurückhaltung und frage, wer das Kind auf diesem Bild ist. Die Frau schaut mich an und zögert. Doch dann antwortet sie, dass es ihre Tochter ist, die sie schon in jungen Jahren auf die Welt gebracht hat. Trotz ihrer unendlichen Liebe zu ihr, hat sie nicht die Möglichkeit, sich um sie zu kümmern. Ich bin verdutzt. Niemals hätte ich erwartet, dass sie eine Tochter hat, noch dass sie in der Lage wäre diese wegzugeben. Von nun an sehe ich die Frau mit ganz anderen Augen. Hätte ich sie nur nicht gefragt. Sie wirkt plötzlich nicht mehr so interessant. Ich frage mich woran das liegt. Sie ist doch noch die gleiche Person wie vorher. 

Ich nehme einen großen Schluck aus meinem Glas und stelle es mit einem leichten Seufzer auf dem Tresen ab. Dann lege ich das Geld für die Drinks auf die Theke, nehme meinen Mantel, verabschiede mich und verlasse ernüchtert die Bar.

Die Tänzerin

Wie gern würde ich dieses wunderschöne Mädchen an die Hand nehmen und mit ihr eine Runde tanzen. Schnell denke ich darüber nach, wie ich sie fragen könnte. Ich weiß es jedoch nicht. Kurz entschlossen nehme ich mir ihre Hand, ziehe sie auf die Tanzfläche und lege meinen Arm um ihre Hüfte. Mir fallen wieder die Schritte ein, welche ich in der Tanzschule lernen musste, obwohl ich eigentlich nie wollte. Wer hätte gedacht, dass mir die Tanzschritte, die ich früher so gehasst habe, jetzt noch einen so wunderschönen Abend bereiten. Ich schwebe mit ihr durch die ganze Bar. Zuerst ist sie sprachlos und etwas überfordert, doch plötzlich fängt sie an lauthals zu lachen. Ich merke, wie sehr sie es genießt. Sie bewegt sich schwerelos und frei, als würden all ihre negativen Gedanken von ihr abfallen.  


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Die Schauspielerin

Sie erzählt mir, dass sie seit Jahren aus einem kleinen, roten Koffer lebt und eigentlich nie ausgepackt. Aber ich traue mich nicht, weiter nachzufragen. Daraufhin nimmt sie mein Whiskey-Glas und kippt den doppelten Bourbon in einem Zug weg. Ziemlich mutig, ohne zu Fragen. Und dass, obwohl wir uns überhaupt nicht kennen. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich jemals eine Frau Whiskey trinken gesehen habe. Der Unterschied zwischen einem kurzen Shot beim Feiern und einem ungekühlten Whiskey, bei dem man jeden Schluck verführerisch genießt, scheint ihr überhaupt nicht klar zu sein. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich das bewundernswert oder abstoßend finde. Vielleicht ist ein guter Whiskey für sie ja auch der pure Genuss und sie konnte der Verführung nicht widerstehen. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass ich so viel über sie weiß, steht es mir doch eigentlich gar nicht zu, mir ein Urteil über sie zu bilden. Ich entscheide mich dafür, es gut zu finden und muss schmunzeln. Es sei ihr gegönnt. Sie hat bestimmt einen harten Abend hinter sich. Ich sehe doch, dass ihre Füße vor Schmerz schreien würden, wenn sie könnten. Und trotzdem scheint sie irgendwie zu lächeln. Entweder ist sie eine gute Schauspielerin oder sie ist so abgehärtet, dass der doppelte Whiskey wirklich nicht in ihrer Lunge brennt.


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Die verführerische Genießerin

Sie erzählt mir, dass sie schon früh von zu Hause abgehauen ist und sich seitdem alleine durch das Leben schlägt. Irgendwie hat sie es immer geschafft, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Da sie keine Wohnung besitzt, darf sie mietfrei über dem Saal des Burlesque-Theaters schlafen. Daraufhin nimmt sie mein Whiskey-Glas und kippt den doppelten Bourbon in einem Zug weg. Ziemlich mutig, ohne zu Fragen. Und dass, obwohl wir uns überhaupt nicht kennen. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich jemals eine Frau habe Whiskey trinken sehen. Der Unterschied zwischen einem kurzen Shot beim Feiern und einem ungekühlten Whiskey, bei dem man jeden Schluck verführerisch genießt, scheint ihr überhaupt nicht klar zu sein. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich das bewundernswert oder abstoßend finde. Vielleicht ist ein guter Whiskey ja auch der pure Genuss für sie und sie konnte der Verführung nicht widerstehen. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass ich so viel über sie weiß, steht es mir doch eigentlich gar nicht zu, mir ein Urteil über sie zu bilden. Ich entscheide mich dafür, es gut zu finden und muss schmunzeln. Es sei ihr gegönnt. Sie hat bestimmt einen harten Abend hinter sich. Ich sehe doch, dass ihre Füße vor Schmerz schreien würden, wenn sie könnten. Und trotzdem scheint sie irgendwie zu lächeln. Entweder ist sie eine gute Schauspielerin oder sie ist so abgehärtet, dass der doppelte Whiskey wirklich nicht in ihrer Lunge brennt. 


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„la vie en rose“

Über ihrem Knöchel steht der Schriftzug „la vie en rose“. Das Tattoo wird von einer minimalistischen Rose untermalt. Sie sitzt schief auf ihrem Barhocker, deshalb kann ich ihr Bein so gut sehen. Nach so vielen Stunden hat sie immer noch diese viel zu hohen, schwarzen Pumps an und tut so, als würde es ihr nichts ausmachen. Auch wenn ich sie so faszinierend finde, tut sie mir auch irgendwie leid. Was muss diese arme Frau nur durchgemacht haben? Doch ich kann nicht aufhören, ihr tief in die Augen zu starren. Nie zuvor hat mich ein Blick so gefesselt. So eine Augenfarbe habe ich noch nie gesehen. Auf jeden Fall grün, aber auch viel mehr als das. Und wunderschönes, dunkelbraunes Haar. Es glänzt unter den dunklen Lampen, die über dem Tresen hängen. Auch wenn sie viel zu stark geschminkt ist, kann ich hinter der Fassade ein Herz sehen. Ein Herz, dass sich nach einem Zuhause sehnt.


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